Gedenkstättenfahrt nach Ausschwitz – ein Erfahrungsbericht



Anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus veranstaltete die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken vom 06.-10.04.2015 eine Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz, um über die Aktualität von Antifaschismus und über emanzipatorische Formen des Gedenkens zu debattieren. In den vergangenen Monaten hatten sich gut 550 Jugendliche in der ganzen Republik in Kleingruppen auf diese Fahrt vorbereitet und sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandergesetzt sowie über Formen des Gedenkens diskutiert.

Im Rahmen der Gedenkstättenfahrt wurden in mehr als 60 Workshops die Diskussionen zu den Themenbereichen „Herrschaft im Nationalsozialismus“, „Antiziganismus“ sowie „Antisemitismus“, „Zeit nach dem Holocaust“, „Verfolgung und Widerstand 2. Weltkrieg“, „Geschlechterverhältnisse und Nationalsozialismus“ sowie „Kapitalismus und Nationalsozialismus“ angeboten. Der Schwerpunkt lag dabei nicht nur in der Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern auch auf den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Die größte Gruppenaktivität war die Besichtigung der Konzentrationslager in Auschwitz, welches aus den Bereichen Stammlager (Auschwitz I), Auschwitz Birkenau (Auschwitz II) und dem Arbeitslager Monowitz (Auschwitz III) besteht. Über 1,3 Million Menschen sind dem Faschismus und dem nationalsozialistischen Terror in Auschwitz zum Opfer gefallen.
Jede Kleingruppe bereitete sich individuell und intensiv auf den Besuch der Gedenkstätte vor. Im Rahmen der Gedenkstättenfahrt hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit sich die Lager Auschwitz I und Auschwitz II anzuschauen.
Das Wissen, aus welchen Gründen und unter welchen Bedingungen die Menschen in das Vernichtungslager transportiert wurden und unter welchen Bedingungen sie dort „leben“ mussten, machte den Besuch der Lager zu einem bewusst werden der Grausamkeit der SS in den Lagerkomplexen von 1940 bis 1945. Der Begriff „Leben“ erhält eine ganz andere Bedeutung, wenn man durch das Eingangstor des Stammlager Auschwitz I tritt. Der Gang durch das Tor mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht Frei“ bewirkt einen Ausbruch unterschiedlicher Gefühle in jeder_m, der sich nicht in Worte fassen lässt.
Bilder oder Dokumentarfilme können einen auf diesen Besuch nicht vollständig vorbereiten. Das Stammlager I vermittelt ein Gefühl von Enge. Die Wohnhäuser stehen dicht aneinander und von jedem Standpunkt ist der Stacheldraht zu sehen, welcher eine Flucht unmöglich machte. Das Stammlager I steht in keinem Verhältnis zu dem Stammlager Auschwitz II. Es ist nicht möglich das Areal des Stammlagers II in seiner Größe zu beschreiben. Ein bedrückendes Gefühl begleitet jeden Schritt über die angelegten Wege zu den Baracken und den einzelnen Gaskammern. Es ist schwer und belastend sich vorzustellen, unter welchen Bedingungen die Opfer des Nationalsozialismus hier „leben“ mussten und unter welchen Bedingungen Sie hingerichtet wurden.

Das Mahnmal im Stammlager II, das aus kleinen Pflastersteinen und vielen Stufen besteht, erinnert an die Menschen, die an diesem Ort ihr Leben verloren haben. Die Gedenktafel welche errichtet wurde, trägt in verschiedenen Sprachen die Inschrift: „Dieser Ort sei Allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis etwa anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.“
Jede_r Teilnehmer_in verarbeitete das Gesehene auf ihre/seine eigene Art und Weise. Zur Bewältigung und zur Vertiefung wurden in dieser Woche der Gedenkstättenfahrt viele Diskussionen und Gespräche zum Thema Faschismus geführt. Gleichzeitig wurde in den Kleingruppen über die selbstständige Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gesprochen. Am Abreisetag konnte jede Kleingruppe ihre Form des Gedenkens praktizieren.

Das Lager, die Gaskammern, das Mahnmal hinterlassen ihre Spuren bei allen Teilnehmenden. Sie sind beängstigend und bestärkend zugleich. Beängstigend, weil sie deutlich machen zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sein können. Sie bestärken uns allerdings auch in unserer antifaschistischen Grundhaltung und machen uns deutlich, dass ein nationalsozialistisches und faschistisches Regime nie mehr die Oberhand gewinnen darf!
Wir alle haben die Möglichkeit eine Gesellschaft zu schaffen, die auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität beruht. Mit unserer Kinder- und Jugendarbeit wollen wir als Falken mit Kindern und Jugendlichen über Missstände in der Gesellschaft diskutieren und sie ermutigen die herrschenden Verhältnisse in Frage zu stellen. Zur kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft gehört auch antifaschistische Bildungsarbeit.

Wir alle möchten in einer Gesellschaft ohne Diskriminierung leben. Also schaut nicht weg sondern setzt euch mit den gesellschaftlichen Missständen auseinander.

Bildet euch. Bildet andere. Bildet Banden! – Wir als Falken unterstützen euch dabei!

Freundschaft!

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